Workshop 1: Crowdsourcing & Social Banking – Boris Janek, Finance 2.0

Veröffentlicht von ad am

scd-2012_0349Von der Crowd zum Social Banking

Boris Janek erläutert, wie Social Media die Finanzwelt verändert und neue Finanzierungsmöglichkeiten entstehen lässt.

Einführend nimmt Janek Bezug zu den Ursprüngen des Begriffs „Crowd“, einem Wort mit ambivalenten Assoziationen: Sie reichen von einer Menge von Menschen, die in der Masse zu unüberlegtem Handeln neigen, bis hin zur Idee der schlagkräftigen Gemeinschaft: Was der Einzelne nicht schafft, bewältigt die Menge. 1843 wurde auf diesem Grundsatz die Raiffeisenbank gegründet. 1885 wurde bspw. der Sockel der Freiheitsstatue mithilfe eines Zeitungsaufrufs finanziert – eine frühe Form des Crowdfunding, ganz ohne Internet. Das Internet bietet hierbei verschiedene Perspektiven, im Vordergrund stehe der Austausch: “Der Mensch ist ein kommunikatives Wesen“, so Janek. Im Bereich des Crowdfunding gehen die Beteiligten allerdings über den bloße Meinungsaustausch hinaus, indem jeder etwas von der eigenen Person gibt: Geld.

Abseits leidet der Finanzsektor unter einem Vertrauensverlust. Die Finanzkrise 2007 hat das Misstrauen gegenüber dem Bankenwesen gefördert. Diese hat als Türöffner für alternative Finanzangebote (GLS, EthikBank, UmweltBank, Triodos Bank etc.) gewirkt.

Als Beispiele werden genannt:

Alternative Finanzierungswege müssen allerdings strengen Rahmenrechtlinien gehorchen, so ist in Deutschland das Agieren im Bankenwesen ohne Banklizenz schwierig. In Großbritannien geht es bereits heute weiter – hier sind die Auflagen nicht so streng. Beim Bankless Banking (ohne Banklizenz) leihen bspw.  Privatleute Privatleuten Geld (z. B. Zopa / http://uk.zopa.com/). Beim Projekt „Civilised Money“ http://www.civilisedmoney.co.uk/ bauen Menschen gemeinsam bankfrei ein Geldinstitut auf.

scd-2012_0384Beispiele für Crowdfinance aus Deutschland sind seedmatch https://www.seedmatch.de/, bergfürst http://www.bergfuerst.com/, United Equity https://www.united-equity.de/. Hier werden Geschäftsideen eingestellt, Unternehmen verleihen Geld, Interessierte leihen Geld und bekommen ideelle Werte, Komparsenrolle (Crowdfunding), Crowdinvesting (kommerziell, gegen Rendite).

Leitgedanke ist, so Boris Janek: „Wenn man was verändern will, muss man über den Klick hinausgehen, um ein Projekt zu realisieren.“ Und weiter: Wir können Gesellschaft verändern, sozial handeln.“

Die Chancen des Crowdbanking bestehen, seiner Meinung nach, in der Veränderung der Banken, der Finanzbranche, der Wirtschaft, der Gesellschaft & Kultur sowie des gesamten Zusammenlebens allgemein. Der Trend ist, sich mehr auf die Gesellschaft zu verlassen, als auf einzelne Institutionen.

Die Grundprinzipien der Dorfgemeinschaft lassen sich via Internet abbilden. Diese Potenziale sollten wir nutzen und die Gestaltung der Institutionen hierauf ausrichten. Wir müssen uns mehr um das Sozialwohl kümmern – möglicherweise auch über die Institutionen hinaus.“ Janek weiter: „Im Sinne des Gemeinwohls ist es besser, in den jungen Nachbarn mit seinen Vorhaben zu investieren und zu wissen, wo das Geld hingeht, als in eine große Institution zu investieren.“

Gerade in der Diskussionsrunde mit dem Publikum wird deutlich, dass sich Banken in eine demokratische Richtung entwickeln sollten, um ihr Wirtschaften auch auf das Gemeinwohl auszurichten. Gerade bei Genossenschaftsbanken bietet sich hier ein Potenzial, da diese regional organisiert sind.

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Genossenschaftsbanken von ihrem klassischen Leitbild entfernt. Zu beobachten ist aber auch, dass sich diese mittlerweile wieder an den klassischen Idealen orientieren: Zurück zu den klassischen Werten ist in diesem Fall das Ideal, so Janek.

scd-2012_0393Die Skepsis ist – sicherlich nicht nur bei den Workshopteilnehmern – doch sehr groß. Viele Schritte sind noch zu gehen. Aber gerade für diese Entwicklung stellen das Internet und die aufkommenden Alternativangebote (s.o.) eine große Konkurrenz zu den klassischen Genossenschaftsbanken dar. Gerade dieses Druckmittel sollte ausgeschöpft werden, um die eigenen Werte zu überdenken.

Ein Umdenken muss stattfinden. Aber das steht und fällt mit den Menschen vor Ort. Gerade die Gesellschaft kann hier Veränderungen vorantreiben. Aktives Konsumieren und Steuern von Märkten hört nicht bei materiellen Gütern auf. Auch das Bankwesen kann durch Nachfrage gestaltet werden – nicht umsonst wäre das vielseitige Konkurrenzangebot im Internet so gegeben wie es ist.

Das Internet erzeugt Druck. Transparenz wird notwendiger. … Zurzeit gibt es leider noch kein Bankmodell, das es hundertprozentig richtig macht.“

Crowdfunding

Ein Beispie für Crowdfunding ist startnext, welches bisher 2,75 Millionen Euro für 553 erfolgreiche Projekte gesammelt hat. Mittlerweile gibt es hierzu noch eine Reihe von Alternativ-Angeboten:

Diese Beispiele zeigen: Als Einsatz ist prinzipiell alles möglich: Geld, Zeit, Arbeitskraft, Materialien u.v.m.

 Literaturverweis: Buch “The Wisdom of Crowd”, James Surowiecki

 Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser

Die Risiken bestehen darin, dass es um Geld und Investitionen geht, etwa wenn man mit seiner Investition direkt Anteile von Unternehmen kauft. Ganz klassisch gibt es hier Fehlinvestitionen. Man muss sehr genau hinschauen. Aber auch hier besteht beim Internet ein entscheidendes Potenzial: Hier ist eine gewisse Selbstorganisation von Wissen möglich. So gibt es bereits etablierte Finanzblogger. Auch findet bereits ein Austausch zwischen Banken und Bloggern statt. So ist auch in Social Media bereits ein Austausch mit den Banken gegeben. Wie bei allem müssen auch hier die Konfrontation gesucht werden und ein Austausch forciert werden. Verbraucher müssen sich stark machen.

 

Von Nicole Riechert und Julia Wilms


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