Keynote: “Momentaufnahmen der Digitalen Gesellschaft” – Markus Beckedahl

Veröffentlicht von ad am

scd-2012_0071Auch Beckedahl betont das „sowohl als auch“ der digitalen Gesellschaft: Facebook ist nicht ohne schlechtes Gewissen nutzbar, trotzdem brauche man es, um im Kontakt zu bleiben.
Neues Phänomen „privatisierter Öffentlichkeiten“, die die Regeln der Kommunikation festlegen: Man begibt sich in Abhängigkeit von Unternehmen und Algorithmen, deren Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar sind, die einer gewissen Willkür folgen. Wird der / die Internetnutzer/in so zum „Lemming“, der / die irgendwelchen undurchsichtigen Regelungen folgen muss, wenn er / sie kommunizieren will?

Wie geht man mit solch „privatisierten Öffentlichkeiten“ um? Beckedahl präsentiert einige Momentaufnahmen:
In Brüssel gibt es Bemühungen, die EU-weiten Richtlinien für Datenschutz zu verschärfen und den deutschen Standards anzupassen. Die US-Konzerne reagieren mit Lobby-Arbeit, denn der europäische Markt ist groß und wichtig. Als Reaktion darauf blockiere die deutsche Regierung die EU-Bemühung. Laut Beckedahl handelt es sich bei dem EU-Projekt jedoch um eine „historische Chance“, die auf jeden Fall im Sinne der Demokratisierung genutzt werden müsse.

Ein weiteres Thema ist die „Netzneutralität“, das „End-to-end“-Prinzip: Die Computer an den Enden der Netzwerke (also die Nutzer/-innen) entscheiden darüber, welche Hard- und Software, welche Dienstleistungen etc. genutzt werden. Es gibt jedoch auch Maßnahmen, diese Offenheit des Internet zu beschneiden, indem z. B. durch Provider an Knotenpunkten eingegriffen und zensiert wird. Es fehlt eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität, die zentral ist für die partizipativen Möglichkeiten des Web.

Schließlich kommt Beckedahl auch auf das Thema Urheberrecht zu sprechen: Ein sehr kompliziertes Thema, bei dem selbst Juristen nicht den vollen Durchblick hätten. Jeder, der als Sender aktiv wird (und das sind mittlerweile fast alle Nutzer/-innen des Web) gerate in die Gefahr, sich einer Urheberrechtsverletzung schuldig zu machen, denn die Verletzungen werden immer öffentlicher und deshalb besser nachvollziehbar. Durch diese Tendenz zur Kriminalisierung der Internetnutzer/-innen fällt jedoch die Akzeptanz für das Urheberrecht als solches: Beckedahl fordert nicht die Abschaffung des Urheberrechts, sondern „ein anderes Urheberrecht“, möchte für seine kulturellen Aktivitäten nicht kriminalisiert werden. Das „Fair Use“-Modell der USA wären eine gute Lösung, denn sie installieren ein „Recht auf Remix“.

Problem Bildungsbereich: Lehrer/-innen sind harten Restriktionen ausgesetzt, wenn es um digitale Lehrmaterialien geht. Die Idee eines „Schultrojaners“, um digitalisierte Lehrmaterialien aufzuspüren, traf tatsächlich auf Interesse. Offene Bildungsmaterialien sind laut Beckedahl jedoch extrem wichtig, um ein zeitgemäßes, tagesaktuelles Lernen zu ermöglichen.

Thema „Haushaltsabgabe“: Mittlerweile müssen alle bezahlen, was kriegen wir aber dafür? Leider ist es für Online-Nutzer/-innen oft undurchschaubar, was wann im Netz läuft und mit welchen Geräten man darauf zugreifen kann. Beckedahl fordert deshalb  offene Standards auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Publikationen sollen unter CC-Lizenz gestellt werden, damit das „Recht auf Remix“ greift. Ein Prozent der Haushaltsabgabe sollte in eine „Stiftung Internet“ investiert werden, um „innovative Internetprojekte“ zu fördern, wie z. B. freie Netzwerke, Transparenzprojekte, innovative Podcasts – dies würde auch die Akzeptanz der Haushaltsabgabe steigern. Dies würde zudem das Problem der „privatisierten Öffentlichkeiten“ lösen, denn auf dieser Ebene könnte großen Unternehmen wie Facebook Konkurrenz gemacht werden.


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