SCD 2013 – Panel 2: “Offene Gesellschaft” mit Julian Heck, Sebastian Hiltner, Katarina Peranic, Severin Sperzel

Veröffentlicht von ad am

panel2-scd-2013_0171 Das zweite Panel des Social Community Day griff das Thema „Social Media“ und die Fragen nach dessen politischer Bedeutung auf. Sebastian Hiltner eröffnete die Diskussion, indem er Social Media als Politik mit dem Netz und durch das Netz definierte. Seiner Meinung nach geht es hierbei um die effektive Ausschöpfung sämtlicher potentiellen Möglichkeiten. Dies muss laut Hiltner jedoch nicht zwangsläufig zu einer weiterführenden Politisierung von Social Media führen, bildet jedoch eine ernstzunehmende Möglichkeit. Sebastian Hiltner vertritt die Position, dass grundsätzlich alle Menschen in irgendeiner Form politisch sind und am Ende des Tages vor allem Politik und auch Social Media eine Frage des persönlichen Interesses und des Inhaltes sind.

panel2-scd-2013_0162Im Anschluss an die Eröffnungsfrage wurde die Relevanz von Social Media vertieft. Severin Sperzel vertrat hierbei die Meinung, dass Social Media eine Möglichkeit der politischen Beteiligung darstellt. Diese gilt es jedoch auch seriös umsetzen, damit sich die „Katze nicht selbst in den Schwanz beißt“. Um seine Aussage zu erläutern, erwähnte Sperzel die Debatte um Rainer Brüderle und vertrat die Meinung, dass Politiker auf Twitter oder anderen Kanälen oft sehr unerträglich sind. Seiner Meinung nach geht es bei Social Media vielmehr um die Qualität und die aktive, effiziente Nutzung von Kanälen als um die reine Anzahl an „Likes“ oder „Retweets“. Julian Heck griff diesen Punkt auf, indem er abermals die Verwendung und Funktion von Social Media benannte. Mit den Worten „man darf sich nicht auf eine Sache alleine verlassen“ traf er die Mehrheit der Meinungen aller Teilnehmer. Social Media sei vielmehr eine Ergänzung zu den klassischen Medien als eine neumodische Revolution, so seine Worte. Daher kam Heck zu der Schlussfolgerung, dass es schwierig ist, sich pauschal auf eine Aussage festzulegen, ob Social Media dazu führt, dass der Staat und wir alle politischer oder unpolitischer werden. Was jedoch feststehe, das sei laut der Fakt, dass die Menschen definitiv lockerer und vorlauter auf den sozialen Kanälen agieren.

panel2-scd-2013_0203Der zweite Teil des Panels beinhaltete die Funktion und den Nutzen von Social Media. Hierzu wurde Katarina Peranic nach ihrer Meinung gefragt. Peranic erwähnte an dieser Stelle, dass es überall auf der Welt gute Beispiele für „Open Transfer“ und den Nutzen des Potentials von Social Media gäbe. Sebaastian Hiltner hatte an dieser Stelle den Einwand, dass die Kompetenz und Umsetzung von Social Media an vielen Stellen jedoch zu wünschen übrig lässt. Als Beispiel wurden Schulen, Verwaltungen und Experten genannt, welche oftmals zu wenig Expertise hätten, um die Kanäle effektiv zu nutzen. An dieser Stelle schaltete sich Severin Sperzel ein und erzählte eine Anekdote aus seiner Jugend. Für ihn sei die Umsetzung von Social Media nicht unbedingt eine Altersdebatte, sondern vielmehr ein gesellschaftliches Problem der Resistenz und Angst vor dem technologischen Fortschritt. Seiner Meinung nach gebe es einen nicht zu unterschätzenden Teil unserer Gesellschaft, der nach der Moral „mir reicht das“ lebt. Sperzel unterstrich seine Meinung, indem er argumentiert, dass diesem Teil der Gesellschaft das grundsätzliche Verständnis für die technischen Möglichkeiten des Internets fehle. Katarina Peranic stimmte Sperzel zu, sagte jedoch, dass man auch Verständnis dafür haben müsse, das nicht alle Deutschen technikaffin sein können. Ihrer Meinung nach geht es bei Social Media vielmehr um die Zusammenarbeit von zwei verschiedenen Welten und die Frage danach, wie sich der Nutzer aktiv einbringen kann.

panel2-scd-2013_0210Um das Verständnis und die Interaktion mit den Social Media-Kanälen zu steigern, gebe es laut Peranic viele freie Projekte, welche im Kern die Probleme von Social Media gut aufgreifen und behandeln würden. Julian Heck schritt an dieser Stelle ein und erzählte von einem Elternabend einer lokalen Schule, welche den Bildungsauftrag hatte, den Eltern die Nutzung und Funktionen von Facebook beizubringen. Laut Heck waren die Teilnehmer am Ende des Abends sehr erstaunt, was ihre Kinder online tun. Die Quintessenz des Abends sei gewesen, dass die aktive Schulung von Neuheiten essentiell wichtig für eine effektive Verwendung neuer technologischer Plattformen sei, es jedoch wie so oft an der Finanzierung des Ganzen scheitere. Alle Podiumsteilnehmer vertraten zum Ende des Panels die Meinung, dass es an Multiplikator-Effekten für die Umsetzung einer offenen Gesellschaft fehle. Projekte müssen vielmehr Schritt für Schritt vorangetrieben werden. Es sei eine Hauptaufgabe der Medien, für die Voraussetzungen einer offenen Gesellschaft zu sorgen.

panel2-scd-2013_0159In der anschließenden Diskussionsrunde wurden die Effekte von Social Media auf politische Prozesse diskutiert. Laut Severin Sperzel stelle Social Media die Gewaltenteilung vor einige Probleme, die die Umsetzung einer Liquid Democracy verkomplizieren würden. Sperzel verwies an dieser Stelle auf Bürgerentscheide, welche lediglich auf lokaler und niedrigster Ebene funktionieren würden. Die Komplexität von Social Media sei jedoch viel größer und somit stelle sich vor allen Dingen die Frage des Ziels. Laut Hiltner brauchen alle Beteiligten vor allem Geduld und Zeit, um letztendlich Ungleichzeitigkeiten zusammenführen zu können und aktiv mitbestimmen zu können. Katarina Peranic stimmte Hiltner zu und appellierte an die aktive Mobilisierung der Menschen. Social Media befeuert laut Peranic die Teilnahme an Politik.

panel2-scd-2013_0174Die Diskussionsrunde griff zum Schluss das Thema Vertrauen auf und es entbrannte eine eifrige Debatte über die beschützende Funktion des deutschen Staates. Diesbezüglich schaltete sich auch Prof. Bernd Holznagel ein und vertrat die Meinung, dass die Zeit des Beschützens vorbei sei. Vielmehr jedoch gehe es um das Thema Verantwortung und wer diese zu tragen habe. Holznagel beendete die Diskussion mit der Aussage, dass Innovationen in den USA oder China stattfinden und es nun an der Zeit sei, ein ähnliches Model in Europa zu implementieren, damit Europa auch in der Zukunft des digitalen Zeitalters aktiv und mit Hilfe von Social Media die (Welt-)Politik erfolgreich mitgestalten kann.

Fabio Krause, Cologne Business School


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