Jan 302013
 
scd-2012_0356Christina Quast, freie Journalistin, und Achim Hepp, Social Media-Berater, stellen Trends aus der digitalen Gesellschaft vor. Der Fokus liegt dabei auf den so genannten „Location-Based Services“, den standortbezogenen Diensten. 1. Technische und kulturelle Voraussetzungen Zu den zentralen Voraussetzungen für das Funktionieren standortbezogener Dienste gehört die flächendeckende Verfügbarkeit des Internet. Da mobile Endgeräte nahezu standardmäßig mit GPS ausgestattet sind und auch viele Tablets und Kameras diese Funktion mitbringen, weiß das Gerät immer, wo wir sind. Wozu ist das Ganze gut? Christina Quast erklärt, dass es vor allem um das Teilen von Wissen, Links oder sogar Dingen geht: „Sharing gehört absolut zu social media.“ 2. Location-Based Services Achim Hepp informiert im Anschluss über die Location-Based Services: „Mittlerweile gibt es standortbezogene Dienste für jeden Sinn und Unsinn.“ Der zentrale Dienst ist „foursquare“ mit 20 bis 30 Millionen registrierten NutzerInnen. Der Dienst ist in den USA ansässig, jedoch weltweit aktiv. Auch Facebook arbeitet neuerdings mit „Location-Based Services“, genauso wie Google. Motiviert werden die NutzerInnen solcher Dienste durch Spieltrieb, Belohnungssysteme (z. B. durch Gutscheine), Bemühungen um Dokumentierung (beispielsweise Reisen), Mehrwert (Verabredungen mit Freunden) oder der Möglichkeit zur Selbstdarstellung, erklärt Hepp. All diese Dienste entwickeln sich zunehmend in die Richtung „Suchen + Finden“: Mittels der Dienste lassen sich beliebte, empfehlenswerte und besondere Orte ebenso finden wie Orte, an denen sich Freunde befinden. Zentral ist hierfür die Idee eines Gebens und Nehmens. Herausforderungen für Nutzer scd-2012_0359"Gegeben" werden hierbei insbesonder Wertungen und persönliche Kommentare. Die Bewertungen weichen von klassischen Reviews nicht nur in der Kürze, Direktheit und Schnelligkeit der Textproduktion ab, sondern auch bezüglich des Meinungsspektrums: Auf den klassischen Reiseportalen werden häufig nur besonders positive oder besonders negative Erfahrungen dokumentiert. Wer sofort mobil seine Bewertung abgibt, fasst sich kurz und bewertet u. U. eine Dienstleistung oder ein Produkt (z. B. Rotwein), die aktuell angeboten werden. Stammt die Bewertung zusätzlich von einem Freund, den man als Weinexperten einschätzt, erhält sie eine noch höhere Wertigkeit. Das Fehlen des persönlichen Bezugs ist auch ein Einfallstor für Manipulation. Neben den klassischen Empfehlungs- und Bewertungsportalen entwickeln sich im Sinne eines Ökosystems immer mehr Zusatzdienste, die standortgebunden funktionieren. Dienste wie „Foodspotting“, „Landlord“, „LocalUncle“ oder „Blendr“ gehören in diese Kategorie. Sie nützen die Daten, um z. B. Spiele wie „Reallife-Monopoly“ anzubieten. 3. Social Travelling Christina Quast führt zu Beginn ihres Vortrags an, dass Reisen an sich ist kein neues Phänomen sei. Aber unsere Mobilität verändert sich, informative Umwelten treten hinzu: Es fand eine Verlagerung von der Offline- und Online-Sphäre hin zum Social Web statt. Wichtig ist hierfür vor allem die Idee der „Collaborative Consumption“: Hier können NutzerInnen auf Internet-Marktplätzen Wohnungen (airbnb), Fortbewegungsmittel (getaway) oder Aktivitäten (gidsy) gegen Bezahlung zur Verfügung stellen. scd-2012_0370Die Vorteile liegen hier nicht nur im Preislichen, sondern auch im Kontakt zu Menschen vor Ort, die Hilfestellungen und Tipps geben können und sich auskennen. Zudem findet man im Netz auch Nischenangebote. Nicht zuletzt handelt es sich bei Collaborative Consumption auch um eine nachhaltige Form des Konsums, denn man nutzt bereits vorhandene Kapazitäten. Zum Thema Reisen gibt es zahlreiche neue Portale, auf denen sich Informationen und Tipps finden und teilen lassen. „Wikitravel“ ist ein Beispiel. Mit social travelling lassen sich also einerseits im Vorfeld ein persönlicher Reiseführer zusammenstellen und / oder vor Ort relevante Informationen abrufen und Probleme lösen. Reisen planen und dokumentieren kann man über Netzwerke wie „trippy“. Über Blogs, Netzwerke, Visualisierung oder Tracking lassen sich die Reiseerlebnisse dokumentieren. Social Insurance Über „friendsurance“ kann man sich mittels eines Freundesnetzwerks versichern, das für größere Schäden aufkommen kann. Das bietet Preisvorteile und auch eine gewisse Sicherheit von Betrug. Fazit Was hat sich verändert? Dank social media sind Reiseinformationen individueller und aktueller als beispielsweise im Reiseführer verfügbar. Wenn man viel alleine reist, ist es leichter, Anschluss zu finden. Man muss sich jedoch an den Interessen des jeweiligen Gegenübers orientieren. Gleichzeitig muss man dem unbekannten Gegenüber jedoch auch vertrauen können, wenn man ihr / ihm seine Wohnung, sein Auto etc. überlässt. Achim Hepp prognostiziert hier die Entwicklung von Verfahren, die die Bewerter bewerten. Auch sind Datentarife im Ausland nach wie vor relativ teuer. Sobald eine „kritische Masse“ an NutzerInnen erreicht ist, werden große Unternehmen auf die Dienste aufmerksam und versuchen, einzusteigen und Geld zu machen. Die Frage ist, ob und wie sich dieser Kommerzialisierungsprozess verhindern lässt. Gleichzeitig gehen „klassische“ Unternehmen wie Hotels mitunter massiv gegen diese Dienste vor (z. B. Hoteldienste), da sie um ihre Monopolstellung fürchten. 4. Diskussion Inwiefern lassen sich die Daten, die man auf diesem Wege angibt und sammelt, wieder löschen? Foursquare geht sehr offen mit dem Thema Datenschutz / Privatsphäre um und bemüht sich um Transparenz; zudem kann man bei diesem Dienst tatsächlich alle Daten löschen. Und hier geht es zur Präsentation von Christina Quast und Achim Hepp http://bit.ly/YGIoec   Von Cathrin Bengesser und Maria Roca Lizarazu
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