Okt 182017
 

Moderation: Daniel Fiene
Gebärdensprachdolmetscherin: Vesna Speier

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Panel 2
Bild: Solomon Eko

Nachdem es im ersten Panel des Social Community Day um „Information für alle“ ging, drehte sich die zweite Diskussionsrunde um das Thema „Aktion und Engagement“. Diskutiert haben Aktivisten aus dem Netz – und der realen Welt: Giulia Silberberger „Goldener Aluhut“, Sandra Meißner „#ichbinhier“, Shahak Shapira (Satiriker), Farah Bouamar (Datteltäter), Franzi von Kempis („Besorgte Bürgerin“). Dominiert wurde die Diskussion vor allem von den Themen Hasskommentare im Netz und Humor als Antwort darauf. Alle fünf Panel-Teilnehmer werden regelmäßig mit Hasskommentaren im Netz konfrontiert. Doch sie gehen damit sehr unterschiedlich um.

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Sandra Meißner
Bild: Fhum. Justice Khumela

Sandra Meißner von „#ichbinhier“ hat zwar schon im Vorfeld der Bundestagswahl einen Anstieg von Hasskommentaren bemerkt, aber nach der Bundestagswahl habe der Hass vor allem an „Qualität“ gewonnen. Mit der Initiative zielt sie auf die „stummen Mitleser“ ab. „Wir wollen den Leuten zeigen, dass es im Netz nicht nur Hass gibt, sondern auch Menschen, die diskutieren können und wollen.“

 

 

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Giulia Silberberger
Bild: Solomon Eko

Giulia Silberberger vom „Goldenen Aluhut“ möchte ihre Verantwortung im Umgang mit Hasskommentaren nicht an die Betreiber von sozialen Netzwerken abgeben. „Ich sehe das als meine Aufgabe, mit diesen Kommentaren umzugehen. Wenn wir Screenshots veröffentlichen, zensieren wir die Namen der User grundsätzlich. Und das machen wir unter anderem aus ethischen Gründen“, sagt sie. Die Posts ihrer Plattform würden teilweise bis zu 2,5 Millionen Menschen erreichen. „Ich möchte nicht, dass jemand wegen unserer Arbeit einen Shitstorm abkriegt“, erklärt sie.

Satiriker Shahak Shapira sieht das anders. „Ich zensiere nicht. Ich finde, Leute haben im Netz keinen Anspruch auf Anonymität. Im echten Leben hast du auch keinen Anspruch auf Anonymität, wenn du etwas Dummes sagst“, entgegnet er. Bei Hasskommentaren, die in öffentlichen Gruppen gepostet wurden, verzichtet er daher auf das Zensieren von Namen. 

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Farah Bouamar 
Bild: Fhum. Justice Khumela

Farah Bouamar vom Funk-Format „Datteltäter“ erklärt, dass die Gruppe mittlerweile oft mit Ironie auf Hasskommentare unter ihren Videos reagiert. „Mittlerweile haben unsere User dieses Verhalten auch übernommen. Das ist eigentlich ganz schön, weil dann ein oder zwei Leute auf einen Hasskommentar mit einer ironischen Antwort reagieren – und dann habe sich die Sache schnell erledigt. Humor war für viele der Panel-Teilnehmer ein Weg, mit dem Hass im Netz umzugehen – ohne Humor würde es erst gar nicht funktionieren, räumen sie ein. Für Farah Bouamar ist Witz schlichtweg eine „universale Sprache“. „Humor ist für uns ein Icebreaker. Damit man denkt: Okay, das war jetzt lustig, aber was könnte dahinterstecken“, erklärt sie.

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Panel 2
Bild: Solomon Eko

Giulia Silberberger hält einen witzigen Umgang mit ernsten Themen für eine Form von „Psychohygiene“. Ihr persönlich habe Humor sehr stark beim Ausstieg von den Zeugen Jehovas geholfen – deshalb hält sie ihn für ihr jetziges Engagement für extrem wichtig. „Wenn du nicht mehr weinen kannst, fängst du an zu lachen“, fügt sie hinzu.

 

 

 

Autorinnen:  Marianna Deinyan & Anna Savchuk
Der Social Community Day wird von einer Live-Redaktion dokumentiert. Auch in diesem Jahr besteht diese aus Studenten des Masterstudiengangs „International Media Studies“ der DW-Akademie.

 Posted by at 14:19

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