Okt 292015
 

SCD-2015_gj_0018Begrüßung: Dr. Frauke Gerlach, Grimme-Institut
„Jeder. Alles. Immer. Überall. Das klingt anstrengend, ist es auch,“ begrüßte Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme-Instituts, das Publikum des Social Community Days. Digitaler Journalismus habe die Nachrichtenwelt verändert, jede Aussage könne fast in Echtzeit überprüft werden. Doch garantiert Schnelligkeit die Glaubwürdigkeit der Nachrichten? Wie geht man im digitalen Zeitalter mit Informationsquellen um? Welche neuen Recherchemöglichkeiten tun sich auf? Antworten darauf versucht der sechste Social Community Day zu geben.

SCD-2015_jn-54Eröffnungsrede: Dr. Marc Jan Eumann, Staatssekretär für Europa und Medien des Landes NRW
In der Eröffnungsrede beim diesjährigen „Social Community Day“ zum Thema „Jeder. Alles. Immer. Überall. “ stellte Dr. Marc Jan Eumann, Staatssekretär für Europa und Medien des Landes NRW, zuerst zwei wichtige Fragen:

–    Wie? Wie kann man alles überall machen?
Diese Frage kann man mit der Infrastruktur beantworten. Wie viel Breitband braucht jeder von uns? Auch stellen sich die Fragen der Netzneutralität, der WLAN-Störerhaftung und der Urheberrechtverletzung. „Wir wollen – weil wir glauben, dass Zugriff zum WLAN für alle wichtig ist und das können wir auch – allen die Möglichkeit geben, kostenlos WLAN zu benutzen,“ versichert er. In NRW wollen wir bis 2018 135 Millionen Euro in den Ausbau des Breitbands stecken.

–    Was? Was passiert mit den Inhalten? Was verändert sich?
Er teile die positive Einschätzung: „Die Zukunft des Journalismus war noch nie so großartig wie jetzt.“ Die Verknüpfung von Datenjournalismus und dem bewegten Bild mit neuen Darstellungsformen ist ein gutes Beispiel dafür. Es wird immer einfacher, dies technisch umzusetzen. Wir sind längst in diesem Prozess.

SCD-2015_jn-77Heute hat jeder Möglichkeiten, sich zu äußern, seine Meinung kundzutun. „Ich freue mich;“ so der Staatssekretär, dass Menschen sich artikulieren. Das kann eine Bereicherung sein, muss aber nicht. Es sei großartig, dass sich jeder äußern könne.
„Journalismus ist und bleibt ein Beruf basierend auf einem Handwerk, der Fakten recherchiert, sie anordnet und bewertet. Diese Aufgabe wird für die Demokratie und für uns wichtiger denn je,“ betont er. Das kann nicht lebendig und plural genug sein und sei immer eine Bereicherung für alle. Deswegen glaube er daran, dass „die Zukunft des Journalismus glänzend ist“.
Die Frage sei, wie wir heute Journalismus finanzieren können und sollen. Die Geschäftsmodelle, die 100 Jahre funktioniert haben, scheinen heute nicht mehr zu funktionieren. Das gelte für Tageszeitungen und für Rundfunkunternehmen, die sich über Werbeeinnahmen finanzieren.

Stiftungen werden initiiert, die mitfinanzieren sollen. Auch würden Plattformen organisiert, auf denen man sich austauschen und unterstützen könne.

Ein Aspekt, worauf er nach eigener Aussage noch keine Antwort habe, ist: „Es ist völlig richtig, dass jeder immer überall alles machen kann. Aber wie erreichen mich diese Inhalte? Wer hat die Macht, dafür zu sorgen, dass ich die Tweets wahrnehme? Ich als Nutzer kann nicht immer überall alles wahrnehmen. Wer hilft mir bei der Auswahl? Welche Folge hat dies für die Demokratie, besonders wenn die Kompromissfähigkeit abnimmt?“

Autor(inn)en: Maria Laguna Trujillo, Jinhan Li, Samuel Mgbecheta, Katharina Wecker

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